Bei einem Besuch Zyperns wandeln Sie in den Fußstapfen historisch bedeutender Persönlichkeiten wie Alexander dem Großen, Kleopatra und den heiligen Aposteln. Im Laufe der Geschichte haben bedeutende Herrscher die strategische Lage der Insel im Schnittpunkt Europas, Asiens und Afrikas zur Erweiterung und Verteidigung ihrer Reiche genutzt. Zypern erlebte wechselvolle Zeiten, als es nacheinander unter assyrischer, ägyptischer, römischer und islamischer Vorherrschaft stand, später unter den Einfluss der Kreuzfahrer geriet, dann weiter in die Hände der Byzantiner, Venezianer und Osmanen fiel; seine Bewohner jedoch behielten immer ihren einzigartigen zypriotischen Charakter.
In der Bronzezeit kamen mykenische Achäer nach Zypern und legten den Grundstein griechischer Zivilisation, die nun mehr als 3000 Jahre alt ist. Kupfer war zu jener Zeit eine begehrte Ware, und so wurden Handelsbeziehungen zu Ägypten und den Ägäischen Inseln aufgenommen. Aphrodite, die Göttin der Liebe, fand eine wachsende Anzahl von Anhängern. In dem Bewusstsein, ein wichtiger Teil der Menschheitsgeschichte zu sein, drückt sich Zyperns Wesen am deutlichsten aus, angefangen von Tempelruinen, die sich natürlich in die Landschaft einfügen, bis hin zu zeitgenössischem Handwerk und von der Antike inspirierten traditionellen Festen.

Geschichte auf einen Blick
8200 – 3900 v. Chr.: Jungsteinzeit
Die ersten uns bekannten Siedler kommen vor rund 10.000 Jahren nach Zypern, wie die Archäologen uns durch Datierung der Fundstellen bestätigen. Erste Zivilisationen entstehen entlang der Nord- und Südküste. Anfangs benutzen die Jungsteinzeitmenschen nur Steinwerkzeuge, erst nach 5000 v. Chr. tauchen Tonwaren auf.
3900 – 2500 v. Chr.: Kupfersteinzeit
In dieser Übergangszeit zwischen Steinzeit und Bronzezeit wird auf Zypern erstmals Kupfer entdeckt. Hauptsächlich in den im westlichen Teil der Insel wiederentdeckten Siedlungen dieser Zeit entwickelt sich ein Fruchtbarkeitskult.
2500 – 1050 v. Chr.: Bronzezeit
In dieser Periode werden die Kupfervorkommen der Insel ausgebeutet. Es entwickelt sich reger Handel mit dem Mittleren Osten, Ägypten und den Ägäischen Inseln, auf denen Zypern unter dem Namen „Alasia“ bekannt ist. Ab 1400 v. Chr. kommen die Mykener aus Griechenland nach Zypern, um Handel zu treiben. Später, zwischen dem 12. und dem 11. Jahrhundert v. Chr., lassen sich griechische Achäer in großer Zahl auf Zypern nieder. Infolgedessen verbreiten sich griechische Sprache, Bräuche und religiöse Kulte. Jene Griechen errichten die Stadtkönigreiche von Pafos, Salamis, Kition, Kourion und viele andere.

1050 – 750 v. Chr.: Geometrische Periode
Die Hellenisierung der Insel ist abgeschlossen, auf Zypern gibt es nun 10 griechische Stadtkönigreiche. Phönizier aus Tyrus, geschickte Seeleute und Händler, lassen sich in Kition nieder. Großer Wohlstand kommt mit dem 8. Jahrhundert v. Chr. Der Aphrodite-Kult erlebt seine Blütezeit.
750 – 325 v. Chr.: Archaische und Klassische Periode
Der Wohlstand hält trotz vermehrter Überfälle fremder Mächte an. Die Assyrer dringen ins Landesinnere vor und stürzen auf ihrem Weg mindestens sieben der zypriotischen Königreiche. Dann fallen die Ägypter ein. Die Herrschaft des Pharao Ahmose II (569 – 525 v. Chr.) ist eine friedliche Zeit; bald darauf aber gerät Zypern in die Spannungen zwischen Griechenland und Persien. König Evagoras von Salamis, der von 411 – 374 v. Chr. herrscht, vereint Zypern und macht es zu einem der führenden politischen und kulturellen Zentren der antiken griechischen Welt.
333 – 325 v. Chr.: Herrschaft Alexanders des Großen, König von Mazedonien
Ganz Zypern heißt Alexander den Großen willkommen, die Insel wird Teil seines Königreichs. Zypriotische Schiffsbaukenntnisse sind wesentlich für die Ausrüstung der Flotte Alexanders, mit deren Hilfe er Gebiete im Nahen Osten erobert.
325 – 58 v. Chr.: Hellenistische Periode
Nach dem Tod Alexander des Großen wetteifern seine Generäle um die Thronfolge, und Zypern wird schließlich eine Provinz des hellenistischen Staates der ägyptischen Ptolemäer; die nächsten zwei Jahrhunderte gehört es zur griechisch-alexandrinischen Welt. Die Ptolemäer stürzen die separaten Stadtkönigreiche und vereinen die Insel; Pafos wird Hauptstadt. Die „Gräber der Könige“ datieren aus dieser Zeit. In dieser Periode gründet auch der zypriotische Philosoph Zenon von Kition (nahe dem heutigen Larnaka) seine berühmte „Stoische Schule“ in Athen.

58 v. Chr. – 330 n. Chr.: Römische Periode
Zypern wird römische Provinz. 45 n. Chr. besuchen der Heilige Paulus und der Heilige Barnabas Pafos; als Paulus hier den römischen Prokonsul mit Namen Sergius Paulus zum Christentum bekehrt, nimmt dieser damit als erster hochrangiger Römer die neue Religion an. Zypern wird nun als erstes Land von einem Christen regiert. Im ersten vorchristlichen und ersten nachchristlichen Jahrhundert ereignen sich zerstörerische Erdbeben; die Städte werden jedoch wieder aufgebaut. Im Jahr 313 gewährt das Edikt von Mailand den Christen Religionsfreiheit. Im Jahr 325 nehmen zypriotische Bischöfe am Konzil von Nicäa teil.
330 – 1191: Byzantinische Periode
Mit der Teilung des römischen Reiches fällt Zypern an Ostrom, oder Byzanz, mit der Hauptstadt Konstantinopel. Kaiserin Helena besucht Zypern und führt Splitter des Kreuzes Christi mit sich; sie gründet drei Klöster. Das Evangelium des Markus wird im Grab des Heiligen Barnabas gefunden, und Kaiser Zeno verleiht Zyperns Kirche Autonomie. 647 fallen die Araber ein, im Laufe der nächsten drei Jahrhunderte kommt es immer wieder zu Plünderungen. Zum Zeitpunkt der Vertreibung der Araber im Jahr 965 durch Kaiser Nikephorus Phokas II sind viele Städte entvölkert und liegen in Ruinen.
1191 – 1192: Richard Löwenherz und der Templerorden
1191 erleidet Richard Löwenherz auf seinem Weg zum dritten Kreuzzug Schiffbruch und kommt in Zypern an Land. Übel behandelt von Isaak Komnenos, bezwingt Richard den selbsternannten Kaiser von Zypern, nimmt die Insel in Besitz und heiratet Berengaria von Navarra in der Burg von Limassol, wo sie auch zur Königin von England ausgerufen wird. Aber schon im darauffolgenden Jahr verkauft er die Insel an den Templerorden, der sie wiederum an Guy de Lusignan, den entthronten König von Jerusalem, weiterverkauft.

1192 – 1489: Fränkische (Lusignan) Periode
Das Feudalsystem fasst Fuß; obwohl die katholische Kirche die griechisch-orthodoxe Kirche offiziell ersetzt, schafft sie es doch nicht, sie zu verdrängen. Die Lusignans nennen Lefkosia, Ammochostos und Lemesos nun Nikosia, Famagusta und Limassol. Ammochostos wird eine der reichsten Städte der Levante. Im Jahr 1489 tritt Caterina Cornaro, die letzte Königin der Lusignan, Zypern an die Republik Venedig ab.
1489 – 1571: Venezianische Periode
Die Venezianer befestigen Zypern, das sie als letzte Bastion gegen das Vorrücken der Osmanen im östlichen Mittelmeerraum betrachten, und begrenzen Lefkosia auf das Gebiet innerhalb der befestigten Mauern. Auch Ammochostos wird mit imposanten Mauern umgeben. Während Venedig sich auf der Höhe seiner Macht befindet, leidet Zypern unter Seuchen und ungeheuren Steuern. Ein Aufstand im Jahr 1546 wird mit Leichtigkeit niedergeschlagen. Als der Osmanensultan Selim II der Legende nach einen süßen zypriotischen Wein kostet, soll ihm dieser so gut gemundet haben, dass er im Jahr 1570 die Invasion Zyperns befiehlt.
1571 – 1878: Osmanische Periode
Die Truppen des Sultans greifen Zypern an, metzeln 20.000 Menschen nieder und belagern Ammochostos. Mark Antonio Bragadino bemüht sich vergebens, die Stadt zu verteidigen; der Befehl des osmanischen Kommandanten Lala Mustafa, den tapferen Venezianer zu foltern und ihm bei lebendigem Leibe die Haut abzuziehen, entfacht den Zorn der europäischen Mächte. Unter dem Kommando von Don Juan d’Austria bringen sie der türkischen Seemacht in der Schlacht von Lepanto eine empfindliche Niederlage bei. Die Osmanen setzen die orthodoxe Kirche wieder ein, für diese Toleranz jedoch müssen die Zyprioten einen hohen Preis in Form von übermäßigen Steuern und sozialer Unterdrückung bezahlen.
1878 – 1960: Britische Periode
1878 übernimmt Großbritannien die Verwaltung Zyperns und annektiert 1914 offiziell die Insel, nachdem die Türkei auf der Seite der Deutschen in den ersten Weltkrieg eingetreten ist. Im Vertrag von Lausanne 1923 verzichtet die Türkei auf ihren Anspruch auf Zypern. Zwei Jahre später wird das Land zur britischen Kronkolonie. 1940 dienen zypriotische Freiwillige in der britischen Armee. Nachdem Verhandlungen über die Unabhängigkeit der Insel erfolglos bleiben, folgt von 1955 – 1959 ein fünfjähriger Kampf um die Entlassung aus der Kolonialherrschaft und um eine Union mit Griechenland.

1960: Republik Zypern
Mit der Unterzeichnung der Züricher und Londoner Verträge 1960 endet die britische Herrschaft, und die Republik Zypern wird ausgerufen. Erzbischof Makarios III ist der erste Präsident der jungen Republik. Gemäß Vertrag behält Großbritannien mit Dekeleia und Akrotiri zwei souveräne Basen (Sovereign Base Areas; SBA’s) mit einer Gesamtfläche von 99 miles², mit Griechenland, der Türkei und Großbritannien als Garantiemächte. Die Verfassung stellt sich bald als unbrauchbar heraus. Vorschläge zu einer Verfassungsreform im Jahr 1963 führen zu einem Aufstand der Volksgruppe der türkischen Zyprioten; die Türkei droht mit Invasion.
Im Juli 1974 inszeniert die regierende griechische Militärjunta einen Putsch gegen die zypriotische Regierung; dies nimmt die Türkei als Vorwand für eine Invasion Zyperns, die schließlich in der Besetzung von 37 % der Inselfläche im Norden und in der gewaltsamen Vertreibung tausender Menschen endet. Tausende Zivilisten werden getötet. 40 % der griechisch-zypriotischen Bevölkerung werden entwurzelt, ihre Häuser und Geschäfte beschlagnahmt. Geschätzte 35.000 türkische Soldaten bleiben im illegal besetzten Nordzypern; eine von den Vereinten Nationen beauftragte Friedenstruppe kontrolliert eine inselweite Pufferzone, die auch durch das Zentrum der Hauptstadt Nikosia verläuft. Die türkische Militärbesetzung bleibt bestehen – trotz weltweiter Verurteilung sowie andauernder Verhandlungen und Vermittlungsversuche.
Zypern im neuen Jahrtausend
Unabhängige Republik seit 1960, hat Zypern das Präsidialsystem einer demokratischen Regierung mit freien Wahlen alle fünf Jahre für den Präsidenten und die Mitglieder des Parlaments. Trotz andauernder Gespräche ist eine Lösung für das „Zypern-Problem“ noch nicht gefunden. Seit 1974 hat es jedoch keinen gewaltsamen Konflikt mehr gegeben, und das Land gehört zu den stabilsten in der Region. Die Republik Zypern ist Mitglied der Vereinten Nationen, im Europarat, dem Commonwealth und der bündnisfreien Bewegung.
Zypern ist Mitglied der EU seit Mai 2004.
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